Home
Vita / Bibliografie
ART
Schweizer Atelier, Einblicke
WORT
 Literaturstipendium artbellwald
Kinderbücher
Jugendbuch
Lyrik / Prosa
Theater
Für die ganze Familie
Kontakt
     
 

Am 15.11.06 wurde Ulla Klomps Theaterstück "Schneekristall - Über die Zerbrechlickeit von Menschen, Gedichten und Schneekristallen" nach dem Roman von Orhan Pamuk "Schnee" in Leverkusen (KAW- Kulturausbesserungswerk) in der Inszenierung von Petra Clemens uraufgeführt. Es entstand im Rahmen des alljährlichen Projekts "Ein Buch für die Stadt"  (KStA)

Das Theaterstück beschäftigt sich mit der Gefahr des Identitäts-verlustes, dem Men-schen ausgesetzt sind, denen Kultur, Religion, Heimat, Liebe, Kindheit  u.v.m. verloren zu gehen drohen oder bereits verloren gegangen sind.

Das geschieht,  wenn Lebensbereiche, in denen man sich “zu Hause“ fühlt, durch Ereignisse von außen oder eigene innere Entwicklungen zer-brechen. Der türkische Schriftsteller KA, die Hauptperson des Romans „Schnee“, ist zum Beispiel auf der Suche nach seiner u.a. in Deutschland verloren gegangenen Identität, er versucht sie während einer Reise in sein Heimatland Türkei wieder zu finden und wird dort damit konfrontiert, dass der Identi-tätsverlust nicht nur ihm selbst widerfahren ist oder widerfährt, sondern dass viele Menschen, die er dort trifft, auf der Suche nach ihrer Identität sind oder in der Angst leben, diese verlieren zu können. Der Selbstmord vieler „Turbanmädchen“ scheint dafür ein Symptom zu sein. Hier in Kars, einer kleinen Provinzstadt im Nordosten der Türkei, wohin der Schriftsteller KA gereist ist, haben sich überdurchschnittlich viele junge Mädchen, die dazu gezwungen werden sollten, ihr Kopftuch als religiöses Symbol abzulegen, umgebracht.  So sieht es zumindest von außen betrachtet, aus.

Der Roman „Schnee“ kreist um die Selbstmorde und die geheimnisvollen Gedichte, die KA nach langer Schreibblockade während dieser Reise in sein Heimatland schreibt, doch das Notizbuch, in dem er die Gedichte notiert, geht verloren, ohne dass der Leser diese zu Augen bekommt, sie werden trotz intensiver Suche auch nicht wieder gefunden, genauso wenig, wie KA selbst  seine verloren gegangene Identität wiederfindet.

Das Theaterstück „Schneekristall“ wird sich neben dem Auftritt KA’s, Ipeks, Kadifes, Sunays und Necips sowie den sechs Turbanmädchen, die jeweils zu ihrem „Leben und/oder Sterben“ befragt werden, auch mit den  geheimnisvollen Gedichten Ka’s beschäftigen, die dem Leser des Romans absichtlich vorenthalten bleiben. Orhan Pamuk erwähnt sie zwar immer wieder im Laufe des Romans, verrät auch einiges über ihren Inhalt und den Aufbau der Gedichtsammlung, er führt diese am Ende des Romans sogar akribisch in namentlicher Aufstellung und in der Reihenfolge, in der KA sie geschrieben hat, auf, die Gedichte selbst aber bleiben verborgen! In unserem Theaterstück wird u.a. eines dieser Gedichte aus den Informationen des Romans „rekonstruiert“.

Natürlich wird das Hauptsymbol des Romans, der „Schnee“, auch „auf die Bühne zitiert“,  - in den sechs Rollen der Schneekristalle, die, ähnlich dem Chor im griechischen Trauerspiel, eine übergeordnete Funktion haben, indem sie die Handlung des Stückes kommentieren und vorantreiben und vor allem in einer Art des Parodos und Exodos das Theaterspiel eröffnen und abschließen. Sie treten, ähnlich den Personen der griechischen Tragödie mit Masken (und in weißer Kleidung) auf. 

Ein Vorleser liest während der Handlung Textausschnitte des Romans.